SGZ vor Ort

Nach monatelanger Vorbereitung war es am 12.05.2012 so weit: Stadt.Geschichte.Zukunft wurde feierlich eröffnet. Wir freuen uns sehr auf die vielen Veranstaltungen und Projekte in den 37 bayerischen Städten!

Zum Auftakt im Lechner Museum in Ingolstadt gab es beindruckende literarische, musikalische und tänzerische Interpretationen vom Lebensraum Stadt: Wir danken dem Slam Poeten Bas Böttcher, den jungen Ingolstädter Musikern von den Boomtown Raps und der Butoh-Tänzerin Minako Seki!

Bas Böttcher - zwischen Vortrag und
Poetry Slam
Die Boomtown Raps bringen's
musikalisch auf den Punkt!
Minako Seki - Site Specific Performance
zwischen Stahlskulpturen von Alf Lechner

Mehr Eindrücke von LebensRAUMStadt gibt es in der Bildergalerie auf donaukurier.de.

Der Donaukurier berichtet am 14.05.2012: 
Im Dreiklang der Zeit
Urbanes Leben zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – Auftakt des Festivals „Stadt.Geschichte.Zukunft“
Von Katrin Fehr

Ingolstadt (DK) Fragen über Fragen. Warum fühlt und bewegt man sich in Städten unterschiedlich. In Berlin anders als in Ingolstadt, und was macht Stadt vertraut, wollte Christine Fuchs, Geschäftsführerin des Vereins Stadtkultur, Netzwerk Bayerische Städte wissen. Wie begreift man seine Heimat, was überhaupt ist Heimat, fragte sich Staatssekretär Bernd Sibler vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus. Woraus zieht man seine Identität, sein Selbstbewusstsein, lag dem Ingolstädter Kulturreferent Gabriel Engert am Herzen. Und wie sieht die Zukunft aus? Wie verändern sich Stadtbilder, Bevölkerung, Lebenswelten, und wie kann man nachhaltig und
(selbst)bewusst auf die Anforderungen und Veränderungen reagieren?
Einfache oder allgemeingültige Antworten rund um das Thema urbanes Leben im Spiegel und im Wandel der Zeit gab es bei der Eröffnung des bayernweiten Festivals „Stadt.Geschichte.Zukunft“ am Samstag im Alf Lechner Museum nicht. Musste auch nicht. Denn die wird es in den nächsten Wochen geben. Das groß angelegte Festival wird bis 31. Juli so zahlreiche wie unterschiedliche Positionen, Perspektiven und Visionen aufzeigen. Aber es gab an diesem Abend schon einen inspirierenden Vorgeschmack: Thesen, Ideen, Bekenntnisse in Wort, Performances und Musik.
Der gemeinsame Nenner war den Rednern der Dreiklang der Zeit. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft in unterschiedlicher Auslegung. Wurzeln suchen und stärken, um eine nachhaltige Zukunft zu gestalten (Sibler). Ein entscheidendes Medium ist Engert das Miteinander der Stadtgesellschaft in der Diskussion, „Reibungspunkte“ inklusive. Und Kultur und Kulturarbeit: „Sie ist Reflexion. Reflexion über die eigene Geschichte, über die Gegenwart und darüber, wie wir die Zukunft gestalten wollen.“
Ein Schwerpunkt des Festivals ist die Zusammenarbeit mit Schulen. Schon am Eröffnungsabend waren viele Jugendliche gekommen. „Schön, dass so viel junges Volk da ist“, sagte der Vorsitzende des Netzwerks, der 2. Bürgermeister von Coburg, Norbert Tessmer. Und auch Engert will Jugendlichen die Möglichkeit geben, „ihre Lebenswelt kulturell und künstlerisch auszudrücken“. „Und zugleich wollen wir der Gefahr entgehen, dass Kulturarbeit zu sehr in überkommenen Formen verhaftet ist und den Anschluss an aktuelle Entwicklungen verliert.“ Kurz und bündig formulierte schließlich Christine Fuchs: „Wir entwickeln heute, wie die Geschichte in der Zukunft aussieht.“

Energiegeladene Musik
Besser hätte es nicht passen können. Der Poetry-Slammer Bas Böttcher sagt: „Sing dein Lied zum Takt der Stadt“, und die Boomtown Raps kommen auf die Bühne. Die energiegeladene Ingolstädter Hip- Hop-Band, die mit ihren Texten und sattem Sound in Windeseile einen immensen Fankreis erobert hat. Und passend zum Thema des Abends geht es auch ihnen um Heimat, um unsichtbare Viertel, um Lebensraum. „Ich vergess’ nicht, wo ich herkomm“, heißt es einmal. Der Trompeter Joey Finger sagt danach, dass sich viel bewegt in der Stadt. „Es entwickelt sich eine Subkultur, eine alternative Kultur, die richtigen Leute treffen sich.“ Das macht ihm und anderen Jugendlichen Mut. Ein Refrain eines der Stücke heißt: „Region 10 degga du wirst sehn degga wie wir lieben leiden laufen sitzen stehn degga du wirst sehn degga.“

Spektakulärer Tanz
Am Ende ihrer Performance läuft Minako Seki schnellen Schritts nackt durch das Alf Lechner Museum, an den Zuschauern vorbei. Es ist das einzige Mal, dass sie sich im menschlichen Gang bewegt. Davor Zucken, roboterähnlich, puppengleich und mit enormer Körperbeherrschung, zögerliches Suchen, ekstatische Bewegungen. Die japanische Tänzerin mit internationalem Erfolg hat den weitläufigen Raum, hat das „Eisenmeer“ von Alf Lechner, die wogenden Wellen aus Stahl, in einem expressiven Tanz erobert. In farbiges Licht getaucht, zu elektronischer Musik tastete, robbte, warf sie sich dem Publikum entgegen. Irgendwann auf dem Weg dorthin entledigte sie sich ihrer Kleidung, die kunstvoll gesteckten Zöpfe aufgelöst, wild, außer sich. Es war eine spektakuläre wie beklemmende Vorführung, eine Choreografie im Spannungsfeld zwischen Körperlichkeit und Künstlichkeit, zwischen Tanz und Kunst im Raum.

Dynamische Sprache
Das Publikum im Alf-Lechner-Museum gibt irgendwann den Takt vor. Das Metronom der Stadt, der Rhythmus der Stadt. Tick rechts und links Tack. Darauf setzt Bas Böttcher seine aberwitzigen Wortkaskaden, überraschenden Sprachzaubereien und atemlosen Assoziationsketten.
Der Mitbegründer der deutschsprachigen Poetry-Slam-Szene präsentierte ein faszinierendes Stück Literatur über die Stadt als Lebensraum, über Ballungszentren und Wegkreuzungen, Freiräume und den Flügelschlag der Fantasie. Er fordert mehr Park und Plätze, statt Parkplätze, Stadt ist ihm bestenfalls „Sprungtuch und Auffangnetz“. Das alles für Menschen, die sich „unverwundbar wunderbar“ und „wunderbar unverwundbar“ fühlen. Tick Tack.
Stadt sagt er, gibt den Takt vor, aber er will sein Stück auch als Plädoyer verstanden wissen, die eigene Taktzahl zu erhöhen, den eigenen Rhythmus im urbanen Lebensraum zu finden.

(Quelle: DK Nr. 111, Montag, 14. Mai 2012, S. 12)

 

weitere Berichte zur Auftaktveranstaltung im Netz:
- auf in-tv vom 14.05.2012
- bei Bayern 2 in der Sendung
KulturLeben vom 10.05.2012 (im Podcast bei Minute 28:30) 
- Der Künstler Manfred Habl hat die
Reden und den Auftritt von den Boomtown Raps gefilmt

 

 

 

Kategorien Journal

Folgen Sie uns...

Banner
Banner