Nachgefragt

Norbert Tessmer, 2. Bürgermeister der Stadt Coburg und
1. Vorsitzender von STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte im Gespräch


 

Norbert Tessmer bei der Auftaktveranstaltung  

Als Vorsitzender von STADTKULTUR Netzwerk Bayerischer Städte e.V. waren Sie von Beginn an an der Konzeption des Festivals beteiligt. Was bedeutet Stadt.Geschichte.Zukunft für Sie? Wo sehen Sie die Schwerpunkte?
Stadt.Geschichte.Zukunft, das bedeutet für mich, den Blick auf die Heimat, die eigenen Wurzeln zu lenken und dabei Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft mitzudenken. Die Fragen im Mittelpunkt lauten: Wo komm ich her? Wo will ich hin? Das Festival schärft den Blick für die eigene Identität und Kultur. Da wären wir auch schon bei dem Stichwort, das für mich von zentraler Bedeutung ist: Kulturelle Bildung.


Was verstehen Sie darunter?
Kulturelle Bildung ist für mich lebenslanges und lebensbegleitendes Lernen mit Kopf, Herz, Hand und allen Sinnen. Dazu gehört für mich zum Beispiel sowohl Mozart und Bach zu kennen als auch selbst in einer Band eigene Texte zu singen. Kulturelle Bildung bildet die Persönlichkeit und hilft einem, die Welt zu verstehen und dabei selbst neue Welten zu erschließen.

Ein Blick in das Programm: Was gefällt Ihnen besonders?
Vor dem Hintergrund der kulturellen Bildung finde ich natürlich besonders gut, dass insgesamt 50 Schulen mit den verschiedensten Projekten bei Stadt.Geschichte.Zukunft mitmachen. Ich denke, hier sollten auch künftige Kulturprogramme ansetzen: bei der Beteiligung der jungen Bevölkerung. Das müssen nicht unbedingt Schulprojekte sein. Denkbar ist es, hier auch verstärkt mit Jugendzentren und Stadtteiltreffs zusammenzuarbeiten.

Wie wurde das Thema in Ihrer Stadt aufgenommen und welche Aspekte von Stadt.Geschichte.Zukunft erscheinen für Sie in Coburg wichtig?
Eigentlich gibt es keine Aspekte, die ich speziell für Coburg wichtig finde. Vielmehr sind das die gleichen, die für alle Städte gelten: Mal mit offenen Augen und wachem Verstand durch die eigene Stadt zu gehen. Die Gebäude, Plätze, Straßen und Gassen bewusst wahrzunehmen. Sich zu fragen, warum sie so aussehen, wie sie eben aussehen, zu überlegen, wie alles vor 50, vor 100 Jahren war und sich vorzustellen, wie alles vielleicht in 30 oder 70 Jahren sein wird. Nicht alles als selbstverständlich zu erachten. Das Gegebene und Vorhandene zu schätzen wissen. Und alles tun, um es zu bewahren und zu verbessern. Und zwar im Sinne des Allgemeinwohls. Und ich würde mir wünschen, dass das Festival dazu beiträgt, eine gewisse ‚Heimatliebe’ zu wecken und ein Gefühl der Verbundenheit. In Coburg versuchen wir das zu erreichen, indem wir die Stadtgeschichte in Form eines interaktiven Zeitstrahls präsentieren.

Ein Blick in die Zukunft: Wohin geht die Stadt? Und welche Rolle spielt die Kultur dabei – bzw. sollte sie dabei spielen? 
Tja, wohin geht die Stadt? – Leider hab ich keine Kristallkugel, die mir das sagt… bei Zukunftsfragen halt ich es immer gern mit Antoine de Saint-Exupéry, von ihm stammen die Worte: ‚Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.’ Und Kultur macht Zukunft möglich. Indem sie eben, wie schon gesagt, hilft die Welt zu verstehen, Zugänge eröffnet und Kreativität freisetzt. Eine Zukunft ohne Kultur kann und will ich mir nicht vorstellen.

 

Kategorien Journal

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