Literatur Update 2012



Nach Geschichten über den Stadtalltag fragte die Literaturstiftung Bayern in ihrer Ausschreibung im Rahmen von Stadt.Geschichte.Zukunft und erhielt zahlreiche Texte über das Leben in der Stadt. Die 10 besten wurden von einer Jury ausgewählt und werden im Sommer in einer E-Book-Anthologie bei neobooks erscheinen.
Hier wollen wir die Autorinnen und Autoren vorstellen und bereits einen Blick in die ersten Zeilen der ausgezeichneten Kurzgeschichten gewähren ...  
 

         

Kenah Cusanit überzeugte mit ihrem Text „Macula in disco solis“ die Jury und wird mit dem mit 2000 € dotierten ersten Preis ausgezeichnet.
Die junge Autorin schildert in hoher sprachlich-literarischer Qualität die Wohnungssuche eines Studenten in der Bayreuther Altstadt und verknüpft diese private Situation mit der historischen Dimension, der Geschichte der Stadt und der Menschen. (Juryentscheidung

 „Ich schreibe gern Essagen. Der Neologismus steht für meine Definitionenfeindlichkeit. Die Essage: der Anfang vom Essay, das Ende von der Reportage. Oder ist das Ende doch der Anfang von Geschichte, von Gedicht? Fehlt nicht sowieso vor allem: ein M? Mmh.“ (Kenah Cusanit)


Macula in disco solis

Was Galileo Galilei beobachtete, waren: dunkle Flecken, die über die Sonne wanderten, aus dem Sichtfeld verschwanden und nach 14 Tagen auf der
gegenüberliegenden Seite wieder auftauchten.

In Bayreuth scheint die Sonne, jeden Tag. Sie scheint über allen Stadtteilen in fast alle Straßen und in fast alle Gassen. Die Bayreuther Freimaurerloge Zur Sonne trug ihren Namen, so scheint es, aus ebendiesem Grund. So lange, bis der Name verschwand und auch sie verschwand – und nie wieder auftauchte, auch nicht auf meiner Google-Karte, mit der ich mich aus heiterem Himmel an die Hausnummern zusammengepresster Jahrhunderte heranzoome. Wo die Sonne scheint auf dieser Karte, wäre ein guter Ort zu wohnen. Hier zum Beispiel. Und hier. Oder hier.

1935, als die Freimaurerloge von den Nationalsozialisten verboten und ihr Vermögen eingezogen wurde, feierte die Jüdische Gemeinde in Bayreuth das 175-jährige Bestehen ihrer Synagoge. Rabbiner Dr. Benjamin Falk Felix Salomon lud anlässlich dieses Jubiläums in der Bayerischen Israelitischen Gemeindezeitung zu einer „schlichten synagogalen Feier“ ein, Sonntagnachmittag, fünf Uhr. Drei Jahre später zerstörten die Nationalsozialisten Inneneinrichtung und Ritualien in der Münzgasse 2, wo die Synagoge heute noch steht; sie hätten das Gebäude in Brand gesetzt, wie es üblich war, wäre nicht die Oper um die Ecke gewesen. 

Ich schicke G. durch die Münzgasse in die Wölfelstraße, ich schicke ihn in die Carl-Schüller-Straße 27 und in die Carl-Schüller-Straße 331/3 und in die Braunhofstraße 36. Davor habe ich ihn in die Brandenburger Straße 1 geschickt, in die Rathstraße 19, in die Kirchgasse 5 und in die Parsifalstraße 16, die liegt auf dem Grünen Hügel.

 

... der komplette Text bald bei allen eBook-Händlern in einer Anthologie von 

 

Kenah Cusanit, geboren 1979 in Blankenburg, studierte Altorientalische Philologie (Sumerisch, Babylonisch, Hethitisch), Ethnologie und Afrikanistik und lebt in Leipzig und Bayreuth. 2008 fing sie an Essays, Gedichte und Erzählungen zu veröffentlichen. Hierfür erhielt sie unter anderem ein Lyrikstipendium des Landes Brandenburg (2009), den Feldkircher Lyrikpreis (2010), ein Stipendium der Autorenwerkstatt Prosa des LCB (2011), ein Aufenthaltsstipendium des Kunstfördervereins Donnersberg (2012) und ein Arbeitsstipendium der Sächsischen Kulturstiftung (2012). Ihre Texte sind bisher unter anderem im „Jahrbuch der Lyrik“ und in den Literaturzeitschriften „Sprache im technischen Zeitalter“, „EDIT“ und „manuskripte“ erschienen. Einige ihrer Gedichte wurden ins Polnische übersetzt. 


LITERATUR UPDATE 2012 wird unterstützt von SCHWINDKOMMUNIKATION

 

 

Kategorien Journal

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