Literatur Update 2012



Die 10 ausgezeichneten Autorinnen und Autoren des Prosawettbewerbs heute.gestern.morgen der Literaturstiftung Bayern im Porträt, inklusive Leseprobe - diesmal: Florian L. Arnold

 
  Foto:c. walz,
fotofinder,
2011
      

 Florian L. Arnold über die Wurzeln seines Schreibens: 
"Familiär starke Anbindung an München und Umland - aufgewachsen mit den Brummeleien von Valentin und Sommer - intellektuell geformt durch die Zeichnungen von Ernst Hürlimann, die sich auch an den Wänden des Gästeklos im großmütterlichen Haushalt zuhauf wiederfanden - darum: starke Affinität zu dem dickbäuchigen Männlein mit der breiten Nase - späterhin reger Verzehr von Literatur aus anderen Zeiten, beispielsweise Rabelais, Sterne, Chaucer, Dickens, Pynchon - Widerstand gegen die Realität geleistet durch fortwährendes Kauen von Zitronenschale und Pepperoni aus dem Schongauer Land - Die Geschichte schließlich entstand auf einer 1958er Olivetti, die mir ein Gegner des digitalen Zeitalters schenkte, damit ich, von dem „“törichten Computerding“ befreit, dank harter Tastenarbeit Originelles schriebe...
Das Ergebnis ist die (ursprünglich als Theaterstück konzipierte) Erzählung 'Der heilige Antonius von Pasing', die durchaus Ähnlichkeit mit lebenden Kreaturen hat, jedoch hier und dort subtile literarische Verfremdung einsetzt." 

Arnolds Kurzgeschichte Der heilige Antonius von Pasing handelt von einer ungewöhnlichen Kindheit in einem Wirtshaus – mit grotesken Stammgästen, der resoluten Wirtin und Mutter des Protagonisten und einem unerwarteten Ende ... 

Der heilige Antonius von Pasing
Ein Libretto


I.

Ich bin im Gasthaus „Zum Antonius“ in München-Pasing aufgewachsen. Das Gasthaus war gelb und hatte rundum laufende Holzbänke, die durch Hundertschaften von Menschenärschen glattpoliert waren. Die currygelben Wände hatte der Zigarettenrauch gebeizt, die Bedienung hieß Grete und wog fast zweihundert Pfund.

Es war eine schöne Zeit. Es roch nach Kaffee, frischem Bier, Zigaretten und Schweinebraten. Links im Eck saß die Mama, rechts im Eck der Servus und in der Mitte der Stammtisch, von früh bis Sperrstunde. Das Gasthaus hatte vorher jahrhundertelang der Wirtsfamilie Speitzlhuber gehört, aber als der alte Speitzlhuber seine Gattin mit einem Nudelholz zerschlug, verkauften die jungen Speitzlhubers das schöne gelbgestrichene Anwesen mitsamt Hinterhof und dem Koch Ernst an die Mama. Die Mama war gerade mit dem Zirkus „Dobolloni“ in München gestrandet. Sie war dort berufsmäßig Kuriosum und putzte auch den Löwenkäfig; aber auf beides hatte sie keine Lust mehr. Der kleine Zirkusdirektor, sagte sie, habe ihr dauernd unter den Rock geglotzt.
„Mama“, sagte ich, „der war doch so klein und du bist so riesig, wohin hätte er denn sonst gucken sollen?“
„Sei nicht frech“, schimpfte die Mama, „sonst fall ich tot um und du kannst schauen, wie du allein durch die Welt kommst!“
Also kratzte meine junge Mama damals alles Geld zusammen, dessen sie habhaft werden konnte, lieh zudem etwas von ihrer Tante Fanny und kaufte das „Antonius“.
Sie wusch das Blut aus der Küche, wischte den Schankraum aus und eröffnete neu.
Weil das „Toni“ so ein fabelhaftes Gasthaus war, kamen die Gäste gerne wieder. Das mit dem alten Speitzlhuber nahm keiner krumm, „wenn man alt wird“, sagten die Männer am Stammtisch mit ehernen Stimmen, „dann passiert so was halt mal“. Als die Mama kurz darauf mit mir schwanger ging, hatte der Stammtisch längst entschieden, wie ich auszusehen und zu heißen hatte ...

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Florian L. Arnold, 1977 in Ulm/Do. geboren, lebt und arbeitet wechsel- und wahlweise in Ulm, in Bamberg und in Oberbayern.
2000 - 2007 Studium der Kunstwissenschaften und Volkskunde, Abschluß Magister Artium (M. A.)
Seit 2000 Einzelausstellungen und Ausstellungsbeteiligungen u. a. in Ulm, Würzburg, Weißenhorn, Konstanz, Augsburg, Krumbach, Bamberg, Senden, Stuttgart.
seit 2007 Arbeit als freier Zeichner, Kulturjournalist und Autor
freier Dozent für Zeichnung und Kulturwissenschaft an der "Akademie für darstellende Kunst", AdK Ulm
Mitherausgabe des Kulturmagazins "ES", Herausgeber "Totpunkt - Das satirische Literaturmagazin" (Ulm)

Publikationen:
„Wie man alte Herren kocht“ (Eigenverlag, 2005)
"Teatrum Mundi", Objekte und Grafik, Katalog, Totpunkt Verlag, 2010
„A biß Z“, Geheimsprachenverlag Münster (2012)
„Giocoso“ (mit Siegfried Arnold), Klecks Verlag (2012)

 

Kategorien Journal

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