Literatur Update 2012

 

Die 10 ausgezeichneten Autorinnen und Autoren des Prosawettbewerbs heute.gestern.morgen der Literaturstiftung Bayern im Porträt, inklusive Leseprobe - diesmal: Aleksandra Miladinovic  

Aleksandra Miladinovic schildert in „Zehn, zwanzig Jahre später“ die Kindheit und Jugend zweier Eisenbahnertöchter aus Einwandererfamilien in der Papinstraße in München - mit biographischem Hintergrund:

"Meine Eltern sind 1973 aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Deutschland gekommen. Mein Vater arbeitete in dem Ausbesserungswerk Neuaubing bis zu seiner Schließung. Ich bin in der Papinstraße aufgewachsen.
Ich schreibe Kurzgeschichten. 'Zehn, zwanzig Jahre später' ist die erste Kurzgeschichte, die von mir veröffentlicht wird."

Zehn, zwanzig Jahre später

Lejla und ich balancierten auf den Eisenbahnschienen. Wir waren beste Freundinnen. Ich war sieben, sie war sechs. Seiltänzerähnlich bewegten wir uns auf den Schienen und waren überzeugt davon, dies besonders elegant zu tun. Schwarze glitzernde Steine verteilten sich auf dem Schienenbett. Mit gestreckten Armen setzten wir vorsichtig einen Fuß vor den anderen und versuchten ans Ziel zu gelangen, ohne von den seildünnen Schienen zu fallen. „Wir müssen es schaffen! Das Stellwerk ist nicht mehr weit weg“, sagte ich zu Lejla. Vom Stellwerk in der Papinstraße waren es nur noch ein paar Meter zum schwarzen Haus, das Fantasy hieß. „Siehst du diese große Fata Morgana?“, fragte ich Lejla und zog mit meinem linken Zeigefinger einen Halbkreis um die Umgebung. „Wer ist Fata Morgana, Marija? Ist das eine Oma? Meine Oma heißt Fata.“ „Ich habe auch sofort an deine Oma gedacht. Aber das ist keine Oma. Das Wort habe ich vor Kurzem in der Schule gelernt. Meine Lehrerin hat gesagt, das ist so was, wenn man meint, etwas zu sehen und es gar nicht das ist, was man sieht, sondern nur Luft. Diese Mauer rechts neben dir vom Werk, die gibt es gar nicht! Und diese Dschungelbüsche neben mir sind auch nur Luft. Wenn wir fliegen könnten, würden wir einfach durch die Garagen und die Backsteinhäuser durchfliegen. Unser Bahnhof wäre auch nur Luft und er würde zerfließen wie Nebel. Nur die Schienen sind echt, wie du siehst, denn wir stehen ja auf ihnen. Und das Fantasy ist echt. Und die Hubba-Bubba-Maschine auch.“ „Und der da vorne?“, fragte Lejla ängstlich und deutete mit dem Kopf auf einen Schäferhund.

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Aleksandra Miladinovic wurde am 7. November 1986 in München geboren. Sie besuchte die Grundschule in der Limesstraße und das Bertolt-Brecht-Gymnasium in Pasing. Seit Abschluss des Übersetzerstudiums Englisch/Deutsch am Sprachen und Dolmetscher Institut in München im Jahr 2009 arbeitet sie als Sekretärin und Übersetzerin.

 

 

Kategorien Journal

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