Literatur Update 2012



Die 10 ausgezeichneten Autorinnen und Autoren des Prosawettbewerbs heute.gestern.morgen der Literaturstiftung Bayern im Porträt, inklusive Leseprobe - diesmal: Heinz Helle

 

Heinz Helle wurde am 15. Oktober 1978 in München geboren. Er leistete seinen Zivildienst in der geschlossenen psychiatrischen Abteilung des Bezirkskrankenhauses Haar. Er studierte Philosophie und arbeitete nebenbei in verschiedenen Werbeagenturen als Texter. Von 2005 bis 2008war er Autor für Daheim, Online Magazin für philosophische Alltagskultur. Im Frühjahr 2010 war er als Stipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes in New York, um an der City University an seiner Doktorarbeit über Bewusstsein zu arbeiten. Seit Herbst 2009 ist er Student am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel.

Heinz Helle ist Stipendiat des Klagenfurter Literaturkurses 2012. Er ist zweiter Gewinner des Walter Kempowski Förderpreises 2011 der Hamburger Autorenvereinigung und Preisträger des Thuner Literaturfestivals Literaare 2010. Er veröffentlichte Texte in der Süddeutschen Zeitung, auf jetzt.de, in La Liesette Littéraire, im Bieler Tagblatt, sowie in Der Freitag.

Sein Text „In der U-Bahn“ beginnt mit einem nicht gesagten Wort während der allmorgendlichen U-Bahnfahrt durch New York ...

In der U-Bahn

Der Tag beginnt mit einem nicht gesagten Wort. Ein Mensch niest. Wie ein Fussel, ein Haar oder ein Stück Erdnussschale liegt es da auf der Zunge, das Wort. Es schmerzt nicht, es stört kaum, es ist eben da. Und in dem beiläufigen Blick in die Runde, darauf bedacht, keine fremden Augenpaare zu berühren, in dem sofort einsetzenden, stillen Bombardement von Farben, Physiognomien, Kleidungsstilen und Nichtstilen, übersetzt in Fahrtziele, Ernährungsprobleme, Hobbys und Lebensträume, löst es sich auf in seine Einzelteile, Zeichen, abgekoppelt von Welt, fremder, kalter Code ohne Bedeutung: G-E-S-U-N-D-H-E-I-T.

John, der das Wort nicht gesagt hat, sitzt leicht nach vorne gebeugt, die Hände auf den Knien und heißt eigentlich Frank oder Lucy, ist 37 Jahre alt oder 26 oder 42 und Fachmann für Mergers & Acquisitions bei HSBC oder Professorin für Neurowissenschaften an der NYU oder stellvertretender Leiter der Staples Kopierzentrale 289 E 34th Street. Sie oder er wird von einigen Menschen, die sie oder ihn in der U-Bahn sehen, schön gefunden, von anderen hässlich, von wieder anderen weder noch. Diese halten sie oder ihn aufgrund ihrer oder seiner Hautfarbe für arm und potenziell drogenabhängig oder nicht aufgrund einer anderen Hautfarbe oder für erfolgreich und durchsetzungsstark wegen der streng zurückgekämmten Haare und des gut sitzenden dunklen Anzugs oder für arbeitsam, diszipliniert und zäh wegen der Schlitzaugen.

... der komplette Text bald bei allen eBook-Händlern in einer Anthologie von

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Kategorien Journal

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