SGZ vor Ort

Wemding widmete sich mit einer ganzen Veranstaltungsreihe dem Thema Stadt.Geschichte.Zukunft - erinnerte sich, ging auf Zeitreise in die 1960er Jahre und blickte schließlich in die Zukunft!

Wie sich diese in Wemding gestalten könnte? Antworten gibt es hier:  

Wemding im Jahre 2050

Perspektiven aus der Zukunftswerkstatt Stadt.Geschichte.Zukunft

Kann man in die Zukunft schauen? Kann man planen oder erahnen, wie in gut 40 Jahren unsere Welt aussehen wird? Kann man sich vorstellen, welche ganz konkreten Auswirkungen bis dahin in Wemding sich ergeben werden? Mit solchen und ähnlichen Fragen hatten sich die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt Wemding 2050 „Meine Welt- Meine Stadt- Meine Zukunft“ am 30.6.2012 auseinandergesetzt. Nun wurden am vergangenen Sonntag die Ergebnisse des Workshops im KunstMuseum in Wemding vorgestellt und prämiert. Die anwesenden Besucher erlebten einen informativen, unterhaltsamen und höchst vergnüglichen Nachmittag.

Um es vorwegzunehmen, nicht alle Teilnehmer des Workshops stellten ihre Arbeiten am Ergebnis-Nachmittag vor. Das hatte wohl unterschiedlichste Gründe. Die Thematik „Zukunft“ ist schließlich abstrakt, nicht greifbar und nur schwer darstellbar.

Von den verbliebenen Beiträgen setzten sich zwei sehr konkret mit künftigen Entwicklungen in Wemding auseinander. Beide Beiträge hatten das Miteinanderleben, die menschliche Kommunikation zum Thema, allerdings mit recht unterschiedlichen Ansätzen. Der erste Beitrag aus dieser Sparte wollte mehr freien Raum für die zukünftigen Menschen in Wemdings Innenstadt. Mehr Raum, der von Autos befreit, dann den Menschen zur Verfügung steht. Dieser Beitrag forderte für Wemding 2050 ein neues Planungskonzept, bei dem die Rechte von Nichtautofahrern gestärkt und dadurch eine Begegnung der Menschen in öffentlichen Räumen/Plätzen wieder möglich werde. Wichtigster Aspekt war dabei, eine einheitliche Ebene aller Verkehrsbereiche, also Gehwege, Plätze und Strassen.

Der zweite Beitrag ging davon aus, dass der entscheidende Kommunikationsraum der Menschen in vierzig Jahren nicht so sehr der städtebauliche Raum, sondern der virtuelle Raum, das Netz, das Internet sein werde. Die Zukunftsvision dieses Beitrags setzte auf ein Treffen und Austauschen der Menschen der Zukunft in der virtuellen Welt. Die Jugend „trifft“ sich bereits heute vermehrt nur mehr in diesem Raum. Über eine vorerst fiktive Facebookseite von Wemding entwarf er die Möglichkeiten, sich auf virtuelle Weise „in Wemding“ zu treffen und sich in das Geschehen Wemdings einzumischen und mit zu gestalten .

Alle weiteren Beiträge gingen weniger auf die Raum- und Funktionsprojektionen der Stadt im Jahr 2050 ein und setzten sich mehr künstlerisch mit Zukunftsträumen oder Ängsten der Stadtbewohner auseinander.

Der einzige Beitrag von einem Jugendlichen, die Zeichnung „Mein Roboter, der alles kann“, war der Traum vom einem elektronischen Freund und Helfer im Alltag. Der Roboter kann lästige Aufgaben, wie die Hausaufgabenbetreuung übernehmen, bietet daneben alle erdenkliche Unterhaltung, kann aber auch trösten, wenn man mal traurig ist.

Eine einfühlsame künstlerische Umsetzung ihrer Zukunftsvisionen erarbeiteten drei Teilnehmerinnen gemeinsam. In drei aufeinander folgenden Szenen stellten sie ihre Zukunftsvisionen und Ängste mit den Mitteln des Schattentheaters abstrakt dar: ein beengt lebender Mensch, der dennoch über vielfache mediale Kontakte verfügt. Doch diese technische Entwicklung hat auch ihren Preis. Der Mensch ist von allen Seiten einsehbar und überwachbar. Trotz aller Vernetzung lebt der Mensch in dieser Vision letztendlich isoliert und vereinsamt.

Eine Auflockerung und Überraschung für die Besucher boten die Beiträge aus der Schreibwerkstatt, die von der Schauspielerin Daniela Nering hervorragend dargeboten wurden.

Alle drei Beiträge setzten sich in starker Überzeichnungen mit zukünftigen Entwicklungen in Wemding auseinander und wurden vom Publikum begeistert aufgenommen.

Die Kurzgeschichte „Felicitas Lohweiher“ zeigt über die Rahmenhandlung ( Wegzug aus Wemding und Heimkehr nach 40 Jahren) den Istzustand und die weitere Entwicklung der Stadt zur Hoffnungslosigkeit und tödlichem Chaos. – Die Szene aus dem „Wemdinger Geburtshaus 2050“ setzt sich auf humorvolle Weise mit der totalen Verwaltung und Überwachung des Menschen vom ersten Atemzug an auseinander. – „Miss Wemding 2051“, die Tagebuchaufzeichnungen einer Kandidatin, zeigen, welche absurden Blüten die Suche nach neuen Schönheitsidealen und scheinbarer Individualität in der Zukunft treiben kann.

Gespannt wartete man auf das Ergebnis der Jury. Der erste Preis ging an „Miss Wemding 2051“. Der Jury gefiel im Beitrag vor allem die Mischung aus historischen Elementen und - zugegeben - krassen Zukunftsvisionen.

Preistraeger und Juroren v.links nach rechts: Angelika Sieger-Held, Daniela Nering, Anneliese Till
Bühnenbild Miss Wemding 2051, die Juroren Theo Knoll, Manfred Laber.

Zweiter Preisträger war das Team des Schattentheaters, das die fortschreitende Technisierung des menschlichen Alltags in künstlerische Bilder umsetzte.

Zukunft Wemding 2050 künstlerisch im Schattentheater umgesetzt.

Der dritte Preis ging an „Mein Roboter, der alles kann“. An ihm schätzte die Jury, dass er nicht nur über technische Hilfsmittel verfügte, sondern auch Wärme und Fürsorge vermittelt.

Summarisch lässt sich sagen, dass die Zukunftswerkstatt: Meine Welt- Meine Stadt- Meine-Zukunft überwiegend nachdenkliche Projektionen für die Zukunft der Menschen in Wemding im Jahr 2050 entwickelt hat.

Aber wie verhält sich das überhaupt mit Utopien? Natürlich können sie nicht in die Zukunft schauen. Sie können nur unsere Sehnsüchte und Träume, aber auch unsere Ängste die Zukunft betreffend aufzeigen. Dass die Beiträge der Zukunftswerkstatt Wemding 2050 wenig optimistisch in die Zukunft schauen, sagt also eher etwas über unsere Gegenwart, als über die Zukunft Wemdings im Jahre 2050 aus. „Die Gegenwart geht schwanger mit der Zukunft“, so fasste es einst der Philosoph Leibniz zusammen. In so fern hat die Anmerkung eines Teilnehmers Gewicht: nur wenn wir heute auf die Jugend zugehen, wenn wir heute mit jungen Menschen kommunizieren und sie in alle Bereiche des Gemeinschaftslebens einbinden, nur dann werden wir sie für die Stadtgemeinschaft gewinnen und halten können. Dann wird Wemding auch im Jahr 2050 eine lebendige Stadt sein können.

Anne Till
(
Fotos: Tamas Till)

 

 

Kategorien Journal

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